Mit virtuellen Reisen beim „Tag für Alle“ in Unterföhring
Ein Tag ganz im Zeichen von Begegnung und Teilhabe
Beim zweiten Inklusionstag der Gemeinde Unterföhring am 26. Juli 2026 wurde deutlich, was das Motto „Tag für Alle“ in der Praxis bedeuten kann. Menschen mit und ohne Einschränkungen, Jung und Alt, kamen rund um das Bürgerhaus zusammen, um gemeinsam einen vielfältigen und lebendigen Tag der Begegnung zu erleben.
Die Gemeinde hatte dafür ein rundum stimmiges Programm zusammengestellt. Der offizielle Auftakt mit Chor, Musik und Grußworten leitete über in ein buntes Miteinander an den zahlreichen Ständen und Mitmachangeboten. Auch senior-vision e.V. war eingeladen, den Inklusionstag mitzugestalten. Unser Angebot hatten wir im Vorfeld bewusst unter den Titel „Virtuelle Reise um die Welt durch VR-Brillen“ gestellt. Damit wollten wir die ganze Bandbreite unserer Themen und Reiseziele öffnen und möglichst alle Besucherinnen und Besucher ansprechen – unabhängig von Alter, persönlichen Interessen oder individuellen Einschränkungen.
Dass der Gedanke eines „Tags für Alle“ dabei tatsächlich gelebt wurde, zeigte sich an vielen Stellen. Bei einem Hindernisparcours konnte beispielsweise aus der Perspektive eines Rollstuhlfahrers erlebt werden, wie schnell vermeintlich kleine Schwellen oder enge Wege zu erheblichen Barrieren werden können. Auch die gemeinsamen Chor-, Musik- und Tanzeinlagen von Menschen mit und ohne Einschränkungen vermittelten ein glaubwürdiges Bild davon, wie selbstverständlich gemeinsames Erleben sein kann.
Freundliche Aufnahme und tatkräftige Unterstützung
Schon bei unserer Ankunft zeigte sich, wie freundlich und aufmerksam senior-vision e.V. in Unterföhring aufgenommen wurde. Laura Klein stellte uns den jungen ehrenamtlichen Helfer Marius zur Seite – und damit eine Unterstützung, die sich schon nach wenigen Augenblicken als echter Glücksgriff erwies.
Eine passive VR-Brille war Marius bereits vertraut. Nach einer kurzen Einführung in die Bedienung der Smartphones, die Auswahl unserer Filme und die Darstellung für die VR-Brillen hatte er das Prinzip sofort verstanden. Er probierte einige Sequenzen selbst aus, suchte eigenständig weitere Filme und konnte praktisch unmittelbar danach das Gelernte an unsere Gäste weitergeben.
Seine technische Versiertheit, seine Neugier und vor allem seine Freude an der Aufgabe waren von Anfang an zu spüren. Schon nach kürzester Zeit betreute Marius die Besucher selbstständig. Nur gelegentlich fragte er noch, in welcher Kategorie ein bestimmtes Reiseziel oder Erlebnis zu finden war.
Das war angesichts des großen Interesses eine enorme Hilfe. Schon bald waren mehrere VR-Brillen gleichzeitig im Einsatz. Marius übernahm dabei bereits nach kürzester Zeit selbstständig die Betreuung der Geräte. So entstand schnell ein eingespieltes Miteinander, das sich gerade während der drei großen Besucherwellen des Tages bewährte. Zeitweise standen die Interessierten sogar in zwei Reihen vor unserem Stand.
Besonders gefreut hat uns der Besuch von Bürgermeister Florian Klietsch. Er beließ es keineswegs bei einem kurzen Gruß, sondern nahm sich Zeit für ein ausführlicheres Gespräch und probierte selbst zwei unserer virtuellen Reisen aus. Dabei interessierte ihn auch die Geschichte hinter senior-vision e.V. und wie die Idee aus einer persönlichen Erfahrung bei der Betreuung einer älteren Nachbarin entstanden war.
Überrascht zeigte er sich zudem darüber, dass der junge Verein bereits einen großen Teil seiner Filme selbst dreht und damit ein eigenes, breit gefächertes Filmarchiv aufgebaut hat. Ebenso interessant war für ihn, dass für den Einstieg in die virtuelle Welt keine aufwendige oder kostspielige technische Ausstattung erforderlich ist: Ein privates Smartphone und eine vergleichsweise günstige passive VR-Brille können bereits ausreichen.
Besonders gefreut hat uns, dass es nicht bei diesem interessierten Austausch blieb. Bürgermeister Klietsch vernetzte senior-vision e.V. mit weiteren Protagonisten aus der Senioren- und Inklusionsarbeit seiner Gemeinde und regte zugleich an, die an diesem Tag entstandenen Kontakte aktiv und lebendig zu halten. So entstanden aus seinem Besuch an unserem Stand unmittelbar neue Verbindungen und konkrete Anknüpfungspunkte für einen weiteren Austausch.
Von den Bergen bis zur Achterbahn – virtuelle Reisen für alle
Wie gut unser bewusst breit gewählter Titel zum Verlauf des Tages passte, zeigte sich spätestens bei den vielen Begegnungen an unserem Stand. Die virtuelle Reise war dabei häufig nur der Ausgangspunkt für sehr persönliche Gespräche und Erlebnisse.
Manche Gäste kamen ganz offen auf uns zu und fragten schlicht: „Wohin entführen Sie uns?“ Zur Auswahl stand ein breites Angebot – von den Tropen über die Alpen und Savannen bis zu Tieren und großen Metropolen.
Andere Besucher hatten dagegen sehr konkrete Vorstellungen: die Berge, Italien, Griechenland oder Asien. So entstand ein permanenter Dialog am Stand. Während ein Gast seine virtuelle Reise erlebte, hörten die Wartenden bereits zu und entwickelten eigene Wünsche: „Das möchte ich auch“ – oder ganz im Gegenteil: „Jetzt machen Sie mit mir einmal etwas ganz anderes.“
Besonders eindrucksvoll waren die Begegnungen mit Menschen, für die bestimmte reale Reiseziele aufgrund ihrer Einschränkungen nicht oder nicht mehr erreichbar sind. Einige Rollstuhlfahrer erzählten beispielsweise, dass sie die Berge und das Voralpenland lieben. Eine Fahrt entlang der Uferpromenade am Tegernsee ist vielleicht noch möglich – auf den Wallberg hinaufzukommen dagegen nicht mehr.
Die virtuelle Reise machte genau das möglich: für einen Moment hinauf auf den Gipfel und von dort hinunter auf den Tegernsee schauen. Solche Augenblicke waren bewegend. Sie machten unmittelbar erfahrbar, dass Virtual Reality nicht allein technische Spielerei sein muss. Sie kann Menschen ein Stück Zugang zu Orten und Erlebnissen zurückgeben, die ihnen in der realen Welt verschlossen sind.
Doch unser Angebot zeigte an diesem Tag noch eine ganz andere Seite.
Bei Jugendlichen und Kindern waren vor allem die großen Achterbahnfahrten aus internationalen Freizeitparks gefragt. Wer bislang vielleicht eine mobile Achterbahn vom Münchner Oktoberfest kannte, konnte sich nun virtuell auf deutlich spektakulärere Fahrten in großen Freizeitparks begeben. Die Begeisterung war entsprechend groß. Manche wollten gleich eine zweite oder dritte Fahrt erleben und holten anschließend Freunde oder ihre Eltern an unseren Stand: „Das müsst ihr euch unbedingt anschauen!“
Auch das virtuelle Wingsuit-Fliegen entwickelte sich zu einem besonderen Erlebnis. Sich aus einem Hubschrauber oder von einer Bergklippe zu stürzen und anschließend im Wingsuit durch die Landschaft zu fliegen, sorgte bei vielen für Staunen und Begeisterung.
Andere wollten dagegen ganz bewusst keine Achterbahn und keinen Adrenalinkick. Sie wünschten sich einen schönen Wasserfall, ein Schloss, eine Landschaft oder ein kulturelles Erlebnis. Und einige der jüngsten Gäste wollten am liebsten gleich noch weiter hinaus – bis in den Weltraum.
Genau diese Mischung machte den Tag für uns besonders. Alle Altersgruppen, die unterschiedlichsten Interessen und Menschen mit und ohne Einschränkungen kamen an unserem Stand zusammen. Das inzwischen umfangreiche Filmarchiv von senior-vision e.V. bot dabei für nahezu jeden geäußerten Wunsch eine passende Möglichkeit.
Dass das Angebot auf Interesse stoßen würde, war durchaus erhofft – der tatsächliche Zuspruch übertraf jedoch die Erwartungen. Umso schöner war es zu erleben, wie reibungslos gleich mehrere VR-Brillen auch während des größten Andrangs eingesetzt werden konnten und wie engagiert Marius dabei unterstützte, für die unterschiedlichsten Wünsche immer wieder passende virtuelle Reiseziele zu finden.
Ein echter „Tag für Alle“
Unser herzlicher Dank gilt der Gemeinde Unterföhring, insbesondere Laura Klein, für die Einladung, die freundliche Begleitung und die hervorragende Organisation. Ebenso danken wir Marius für seine engagierte ehrenamtliche Unterstützung.
Wie sehr der Tag von diesem gemeinsamen Gedanken getragen wurde, fasst Laura Klein als Gastgeberin und Organisatorin treffend zusammen:
„Der Tag für alle in Unterföhring war bunt und voller Leben: Egal ob Sport, Kunst, Kreativität und vieles mehr – wenn Vereine, Einrichtungen und Herzensmenschen zusammenkommen, wird Vielfalt nicht nur sichtbar, sondern spürbar. Ein Tag, an dem nicht nur der Inklusionspreis überreicht wurde, sondern mit dem klaren Signal: Hier gehört jeder dazu und für jeden ist etwas dabei.“
– Laura Klein, Behindertenbeauftragte der Gemeinde Unterföhring –
Wir nehmen aus Unterföhring viele persönliche Begegnungen, interessante Gespräche und neue Kontakte mit. Vor allem aber bleibt die Erinnerung daran, wie unterschiedlich Menschen ein und dieselbe Technik für sich entdecken können: für den virtuellen Weg auf einen nicht mehr erreichbaren Berggipfel, für eine Reise in ein fernes Land, für Kultur und Natur – oder für eine rasante Achterbahnfahrt und einen spektakulären Wingsuit-Flug.
Der Inklusionstag hat damit etwas eingelöst, das zunächst nur wie ein Veranstaltungsmotto klingt: Es war tatsächlich ein „Tag für Alle“.
Und genau das konnten auch wir mit senior-vision e.V. an unserem Stand erleben.
Gemeindeblatt Unterföhring:
Das vollständige Programm zum „Tag für Alle“ finden Sie im Gemeindeblatt Unterföhring.
Quelle: Gemeindeblatt Unterföhring, Nr. 29/2026 vom 17. Juli 2026 (Auszug)
Den Bericht zum „Tag für Alle“ finden Sie im Gemeindeblatt Unterföhring.
Quelle: Gemeindeblatt Unterföhring, Nr. 31–35/2026 vom 31. Juli 2026 (Auszug)
Bilder der Veranstaltung:
Die ergänzend gezeigten Bilder 2, 3, 9, 12 und 13 stammen aus dem Archiv der Gemeinde Unterföhring.
Quelle: Bildarchiv der Gemeinde Unterföhring (Gemeinde ufg/foe)
























