Wenn Teilhabe wieder erlebbar wird
münchen tv begleitet die moderne Erlebnisarbeit von senior-vision e.V.
Wie lassen sich Gemeinschaft, biografische Erinnerung und gesellschaftliche Teilhabe neu denken – gerade dann, wenn Mobilität und körperliche Einschränkungen den Zugang zur Welt zunehmend erschweren?
Mit dieser Frage beschäftigten sich Anfang Mai gleich zwei Fernsehbeiträge des Formats „München tut gut“ von münchen tv, die die multisensorische Erlebnisarbeit von senior-vision e.V. im CARECON Seniorenwohnpark Vaterstetten begleiteten.
Im Mittelpunkt standen dabei nicht allein virtuelle Reisen mit VR-Brillen, sondern ein ganzheitlicher Ansatz moderner Seniorenarbeit: Gespräche, Musik, Erinnerungen, gemeinschaftliches Erleben sowie multisensorische Eindrücke verbinden sich zu Erlebnisformaten, die biografische Aktivierung und soziale Teilhabe gleichermaßen fördern sollen.
Erinnerungen als Teil biografischer Arbeit
Der erste Drehtermin fand am Freitag, den 8. Mai 2026 statt. Im Rahmen des Themennachmittags „La Dolce Vita“ begleiteten Redaktion und Filmteam von München TV die Teilnehmenden auf einer multisensorisch gestalteten Erlebnisreise nach Italien. Musik, mediterrane Atmosphäre, gemeinschaftliche Gespräche sowie virtuelle Eindrücke aus Venedig verbanden sich dabei zu einem Erlebnisformat, das Erinnerungen aktivierte und biografischen Austausch förderte.
Der daraus entstandene Fernsehbeitrag „Die etwas andere Auszeit vom Alltag“ zeigte exemplarisch in einem Kurzbeitrag, wie gemeinschaftlich eingebettete virtuelle Erlebnisräume emotionale Zugänge schaffen und biografische Erinnerungen aktivieren können.
Gerade diese biografische Ebene spielt innerhalb der Erlebnisformate eine zentrale Rolle. Carmen Klietsch, Leitung soziale Betreuung im CARECON Seniorenwohnpark Vaterstetten, brachte dies im Fernsehbeitrag prägnant auf den Punkt:
„Und nichts ist im Leben von Senioren so wichtig wie Erinnerungen.“
Viele Teilnehmende berichteten während der Veranstaltung spontan von früheren Reisen, persönlichen Erlebnissen oder Orten, mit denen sie eigene Lebensgeschichten verbinden.
Gemeinschaft durch gemeinsames virtuelles Erleben
Ein zweiter Drehtermin folgte am Montag, den 11. Mai 2026. Der daraus entstandene längere Fernsehbeitrag „Die Welt erleben trotz Einschränkungen: Der Münchner Verein senior-vision e.V. macht’s möglich“ widmete sich insbesondere der Frage, wie digitale Technologien sinnvoll in soziale und biografische Arbeit eingebunden werden können.
Im Mittelpunkt stand dabei bewusst nicht die Technik selbst, sondern das gemeinschaftliche Erleben. Die virtuellen Reisen werden bei senior-vision e.V. nicht isoliert konsumiert, sondern in Gespräche, Musik, gemeinschaftliche Aktivitäten sowie multisensorische Eindrücke eingebettet. Dadurch entstehen Erlebnisräume, die gemeinschaftlichen Austausch fördern und persönliche Erinnerungen aktivieren.
Gruppenleiterin Eva Haydn beschrieb die Wirkung dieser immersiven Erlebnisräume im Gespräch mit Moderatorin Eva Walig von münchen tv mit einfachen Worten:
„…als ob man selbst wirklich dort wäre.“
Gerade diese Form gemeinschaftlich erlebter Erinnerung aktiviert häufig Gespräche, persönliche Geschichten und sozialen Austausch innerhalb der Gruppen. Viele Teilnehmende bringen dabei eigene Erfahrungen ein, erinnern sich gegenseitig an frühere Reisen oder entwickeln gemeinsam neue Wünsche für kommende Erlebnisnachmittage.
Zukunft statt Rückzug
Die Beiträge von München TV zeigen zugleich einen Perspektivwechsel moderner Seniorenarbeit: Nicht allein Erinnerung und Rückblick stehen im Mittelpunkt, sondern auch Vorfreude, Aktivierung und neue gemeinsame Erfahrungen.
Klaus Martin Hecht beschrieb im Gespräch mit Reporterin Eva Walig eine Beobachtung, die sich in vielen Einrichtungen wiederholt:
„Typischerweise sind die Gedankenwelten der Senioren immer rückwärts und negativ konnotiert. Bei einer Vorfreude, eine Reise zu planen oder wenn ich ins Haus komme und etwas mitbringe, dann ist es zukunftsorientiert und erfreulich.“
Tatsächlich äußerten viele Teilnehmende bereits während der Veranstaltungen neue Reisewünsche oder erinnerten sich gegenseitig an frühere gemeinsame Erfahrungen. Dadurch entstehen nicht nur biografische Gespräche, sondern oftmals auch neue soziale Dynamiken innerhalb der Gruppen.
Erlebniswelten als gesellschaftliche Aufgabe
Die Arbeit von senior-vision e.V. verbindet inzwischen eigene Filmproduktionen, thematische Erlebnisformate, multisensorische Gestaltung und biografische Arbeit zu einem ganzheitlichen Konzept. Viele der gezeigten Filme entstehen in Eigenproduktion und orientieren sich gezielt an Erinnerungsorten, regionalen Bezügen oder konkreten Wünschen der Seniorinnen und Senioren.
Mit dem CARECON Seniorenwohnpark Vaterstetten besteht dabei eine Einrichtungspartnerschaft, die diese Form moderner Erlebnisarbeit früh aufgegriffen und kontinuierlich unterstützt hat. Unter dem Format „Die Reise um die Welt“ werden die Erlebnisnachmittage dort regelmäßig in die soziale Betreuung integriert.
Die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit zeigt zugleich, dass diese Form der Seniorenarbeit weit über einzelne Veranstaltungen hinausweist. Sie steht exemplarisch für neue Wege gesellschaftlicher Teilhabe im Alter – gemeinschaftlich, aktivierend und zukunftsorientiert gedacht.
Und vielleicht beschreibt ein Satz der 96-jährigen Teilnehmerin Rosi Wanninger am besten, worum es dabei letztlich geht:
„Es ist für mich die Möglichkeit zu erleben, dass es noch eine andere Welt gibt – und dass ich immer wieder neu anfangen darf, diese Erlebnisse zu erleben.“






