Fachsymposium Traunstein – Digitale Teilhabe und Inklusion im fachlichen Dialog
Am 15. Mai 2026 fand am Campus Chiemgau in Traunstein das Fachsymposium „Digitale Teilhabe und Inklusion“ statt. Die gemeinsam mit der Technische Hochschule Rosenheim vorbereitete Veranstaltung brachte Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Praxis, sozialen Einrichtungen, dem medizinischen Umfeld sowie interessierte Gäste aus der Region zusammen.
Im Mittelpunkt des Abends stand der gemeinsame Austausch über digitale Teilhabe im Alter sowie die Frage, wie immersive Erlebnisformate niedrigschwellig, alltagsnah und praxisorientiert eingesetzt werden können. Bereits beim Betreten des offen gestalteten Veranstaltungsraumes wurde deutlich, dass die Veranstaltung bewusst nicht als klassische Vortragsreihe angelegt war. Vielmehr entstand ein Dialograum, der Begegnungen, Gespräche und unterschiedliche Perspektiven ermöglichen sollte.
Die Gäste nutzten die Zeit vor dem offiziellen Beginn, um miteinander ins Gespräch zu kommen, erste Kontakte zu knüpfen und sich mit den vorbereiteten Erlebnisformaten von senior-vision e.V. vertraut zu machen. Vertreterinnen und Vertreter aus Seniorenquartieren der Region, aus sozialen Einrichtungen, aus dem medizinischen Umfeld sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger tauschten sich bereits vor Beginn der offiziellen Gesprächsrunde aus.
Im offenen Eingangsbereich war hierfür das Format „das virtuelle Reisebüro“ aufgebaut – eines der vier Erlebnisformate von senior-vision e.V. Reisekataloge, Globus, vorbereitete VR-Brillen und thematisch gestaltete Reiseangebote ermöglichten einen ersten neugierigen Blick auf die immersiven Erlebniswelten. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, bereits vor Veranstaltungsbeginn praktische Eindrücke zu sammeln und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Erinnerungen, Bilder und gesellschaftlicher Austausch
Die offizielle Einführung in das Fachsymposium übernahm Prof. Dr. habil. Ulrich Zißler von der Technische Hochschule Rosenheim. Ausgehend von persönlichen Erinnerungen, biografischen Bildern und eigenen Erfahrungen spannte er den Bogen zur Frage, welche Rolle Erinnerungen, Bilder und soziale Teilhabe im Alltag älterer Menschen einnehmen können.
Vor dem Hintergrund einer alternden Gesellschaft wurde deutlich, dass sich hier zahlreiche offene Fragestellungen ergeben – sowohl für soziale Einrichtungen als auch für Wissenschaft, Praxis und gesellschaftlichen Austausch. Prof. Dr. habil. Ulrich Zißler betonte dabei, dass das Fachsymposium bewusst als offenes Gesprächsformat gedacht sei, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und erste gemeinsame Betrachtungen anzustoßen.
Von persönlichen Erfahrungen zur Vereinsstruktur
Aus der Einführung entwickelte sich unmittelbar der Einstieg in die Podiumsdiskussion. Eine klare Trennung zwischen Einführung und Gespräch entstand dabei kaum – vielmehr griff die Gesprächsrunde die zuvor formulierten Gedanken unmittelbar auf.
Gemeinsam mit Klaus Martin Hecht, Unternehmer und Vorstand von senior-vision e.V., sowie Georg Wetzelsperger, Vorsitzender des Netzwerk Soziale Dienste Berchtesgadener Land, moderierte Prof. Dr. habil. Ulrich Zißler die Gesprächsrunde.
Klaus Martin Hecht schilderte dabei die persönliche Entstehungsgeschichte von senior-vision e.V. Die ursprüngliche Idee sei aus konkreten Erfahrungen im persönlichen Umfeld entstanden. Erste immersive Reise- und Erlebnisformate hätten schnell gezeigt, dass gemeinsame Erinnerungen, Gespräche und neue Eindrücke positive Begegnungen ermöglichen können. Über Erzählungen, persönliche Kontakte und erste Einladungen zu Veranstaltungen entwickelte sich daraus schrittweise die heutige Vereinsstruktur von senior-vision e.V.
Klaus Martin Hecht verdeutlichte, dass die Entscheidung für einen gemeinnützigen Verein bewusst getroffen wurde, um die Angebote langfristig niedrigschwellig, offen und gemeinschaftlich weiterentwickeln zu können. Georg Wetzelsperger ergänzte aus praktischer Perspektive, dass gerade diese unkomplizierte und gemeinnützige Struktur vielen Einrichtungen den Zugang erleichtere.
Immersive Erlebnisformate als Begegnungsräume
Im weiteren Verlauf der Podiumsdiskussion standen die praktischen Erfahrungen mit den Erlebnisformaten von senior-vision e.V. im Mittelpunkt. Diskutiert wurden die vier Formate des Vereins sowie deren flexible Einsatzmöglichkeiten in Seniorenquartieren, Begegnungsstätten, sozialen Einrichtungen und im medizinischen Umfeld.
Besonders hervorgehoben wurde dabei das Zusammenspiel aus biografischen Erinnerungen, ruhigen Naturaufnahmen, regionalen Eindrücken und gemeinschaftlichem Erleben. Die Gesprächsrunde machte deutlich, dass die immersiven Inhalte häufig weniger als technische Anwendung wahrgenommen werden, sondern vielmehr Gespräche, Erinnerungen und persönliche Austauschmomente fördern.
Im Verlauf der Diskussion wurde zudem sichtbar, dass sich rund um die Formate zunehmend neue Kontakte und Gespräche entwickeln. Erste Anfragen und Austauschmöglichkeiten entstehen inzwischen auch über die unmittelbare Region hinaus.
Technik im Hintergrund – Teilhabe im Vordergrund
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion beschäftigte sich mit der technischen Herstellung immersiver Inhalte. Dabei erläuterte Klaus Martin Hecht, dass bereits die eigentliche Aufnahme der Inhalte bewusst möglichst unkompliziert gehalten werde und häufig gemeinsam mit regionalen Partnern, Veranstaltern oder Kulturschaffenden umgesetzt werde. Auch bei Veranstaltungen oder öffentlichen Situationen solle dabei möglichst kein Einfluss auf das eigentliche Geschehen genommen werden, um authentische Eindrücke und natürliche Atmosphäre bewahren zu können.
Die eigentliche technische Komplexität entstehe erst in der Nachbearbeitung der Inhalte. Große Datenmengen, hohe Rechenleistungen sowie aufwendige Aufbereitungs- und Veröffentlichungsprozesse seien notwendig, um die immersiven Formate später einfach und stabil nutzbar zu machen.
Gleichzeitig wurde mehrfach betont, dass genau diese technischen Prozesse für die späteren Nutzerinnen und Nutzer möglichst unsichtbar bleiben sollen. Ganz bewusst werden der aufwändige und zeitintensive Arbeitsprozess sowie die Strukturarbeit in den Hintergrund verlagert, um die spätere Nutzung möglichst einfach, niedrigschwellig und intuitiv gestalten zu können.
Das Konzept von senior-vision e.V. sehe bewusst vor, Technik nicht in den Vordergrund zu stellen, sondern einen möglichst einfachen Zugang zu schaffen.
Praktische Erfahrungen und offene Fragestellungen
Im zweiten Teil der Diskussion wurde das Publikum zunehmend eingebunden. Fragen aus dem sozialen, gesundheitlichen und praktischen Umfeld griffen insbesondere die konkrete Umsetzung und mögliche langfristige Nutzung der Erlebnisformate auf.
Herr Werner Fertl, Beauftragter für Senioren und für Menschen mit Behinderung des Landkreises Traunstein, stellte dabei eine konkrete Frage aus der Praxis: Wie und wo könne man auf die Angebote von senior-vision e.V. zurückgreifen? Wo seien die VR-Brillen und die Inhalte erhältlich?
Klaus Martin Hecht erläuterte hierzu, dass die 360°-Filme und Erlebnisinhalte direkt über die Internetpräsenz von senior-vision e.V. erschlossen werden können. Dort finden sich neben den immersiven Inhalten auch praktische Hinweise, um die Angebote auf dem eigenen Smartphone einfach nutzen zu können. Für VR-Brillen könne man sich direkt an den Verein wenden. In einigen Regionen bestehen zudem bereits erste Verleihmöglichkeiten – beispielsweise über Apotheken, Gemeinden oder andere Partner im regionalen Umfeld. Beispielhaft genannt wurden hierbei die Wallberg Apotheke in Rottach-Egern sowie die Palmen-Apotheke Ottobrunn. Auch Einrichtungen und Organisationen, die bereits über VR-Brillen verfügen, geben diese teilweise auf Anfrage in ihrem Umfeld weiter.
Zugleich wurde deutlich, dass sich rund um senior-vision e.V. schrittweise ein wachsendes Partner-Netzwerk entwickelt, über das Erfahrungen, Angebote und praktische Unterstützung regional weitergegeben werden. Hinweise zu bestehenden Partnern und Ausgabemöglichkeiten werden fortlaufend über die Internetpräsenz beschrieben.
Eine weitere Wortmeldung kam anschließend von einer Teilnehmerin aus einem Seniorenquartier der Region. Sie fragte nach der konkreten Umsetzung niedrigschwelliger Teilhabe im Alltag sozialer Einrichtungen und danach, wie entsprechende Angebote langfristig begleitet werden können.
Klaus Martin Hecht erläuterte hierzu, dass sich sowohl Einzelpersonen als auch Einrichtungen, Gemeinden oder Organisationen an senior-vision e.V. wenden könnten. Niedrigschwellig bedeute dabei bewusst, die Angebote einfach nutzbar, möglichst kostengünstig sowie direkt und unkompliziert zugänglich zu gestalten. Für erste Einsätze würden VR-Brillen kostenlos bereitgestellt. Darüber hinaus unterstütze der Verein bei Vorbereitung, Durchführung und organisatorischen Fragen entsprechender Veranstaltungsformate.
Wenn Einrichtungen die Erlebnisformate dauerhaft integrieren möchten, begleite senior-vision e.V. zudem Schulungen, Materialbeschaffung sowie organisatorische Vorbereitung. Über einen geschützten Partnerbereich stehen ergänzend Arbeitsmaterialien und praktische Strukturhilfen zur Verfügung.
Im weiteren Verlauf wurde auch die Frage diskutiert, wie immersive Erlebnisformate künftig wissenschaftlich betrachtet und eingeordnet werden könnten. Ein Mediziner aus dem Publikum fragte nach bisherigen Erfahrungen und möglichen zukünftigen wissenschaftlichen Betrachtungen.
Hierzu erläuterte Klaus Martin Hecht, dass sich derzeit erste Gespräche und Kontakte mit Wissenschaft und Praxis entwickeln. Dabei gehe es zunächst vor allem darum, gemeinsame Fragestellungen zu betrachten und mögliche zukünftige Ansätze auszuloten.
Neue Gespräche und erste Vernetzungen
Eine Teilnehmerin aus dem gesellschaftspolitischen Umfeld stellte anschließend die Frage, wie die im Fachsymposium entstandenen Impulse künftig weitergeführt werden könnten.
Erik Stettmer, früher Unterstützer und gesellschaftspolitischer Begleiter des Projekts, beantwortete diese Frage aus dem Auditorium heraus und skizzierte erste Gedanken für mögliche zukünftige Austausch- und Vernetzungsformate. Dabei stellte er insbesondere gesellschaftliche Sichtbarkeit und Bekanntheit, die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven sowie gemeinsame Zielrichtungen für zukünftige Gespräche heraus.
Die vorgeschlagenen Gedanken wurden von den Beteiligten auf dem Podium aufgegriffen und weiterdiskutiert. Dabei wurde deutlich, dass sich rund um die Veranstaltung erste neue Kontakte, Gesprächsansätze und gemeinsame Betrachtungen entwickeln.
Das virtuelle Reisebüro als praktischer Erfahrungsraum
Zum Abschluss der offiziellen Podiumsdiskussion lud Prof. Dr. habil. Ulrich Zißler die Gäste dazu ein, im vorbereiteten virtuellen Reisebüro selbst praktische Eindrücke der immersiven Erlebnisformate zu gewinnen.
Viele Besucherinnen und Besucher nutzten diese Gelegenheit intensiv. Während einige Gäste bereits weiterführende Gespräche führten und Erfahrungen austauschten, tauchten andere unmittelbar in die virtuellen Erlebniswelten ein. Die VR-Angebote wurden dabei vielfach als praktische Ergänzung zu den zuvor diskutierten Themen wahrgenommen.
Im offenen Austausch entstanden neue Kontakte, Rückfragen zur praktischen Nutzung wurden besprochen und erste Ideen für mögliche zukünftige Zusammenarbeit diskutiert. Das Fachsymposium endete damit bewusst nicht als abgeschlossene Veranstaltung, sondern als offener Ausgangspunkt weiterer Gespräche und Begegnungen.
Einen persönlichen und zugleich symbolischen Abschluss fand der Abend schließlich in einer überraschenden Geste: Erik Stettmer überreichte Klaus Martin Hecht einen Laugenzopf in Form einer VR-Brille – angelehnt an das Logo von senior-vision e.V. Die augenzwinkernde Aufmerksamkeit verband regionale Verwurzelung, persönliche Wegbegleitung und den offenen Charakter des gemeinsamen Austausches.
Ausblick
Die beim Fachsymposium begonnenen Gespräche und Kontakte sollen in den kommenden Monaten weitergeführt werden. Für November 2026 ist vorgesehen, erste Entwicklungen und Erfahrungen aus den entstehenden Austauschformaten zusammenzufassen und erneut miteinander ins Gespräch zu bringen.
Ein weiteres Fachsymposium ist derzeit für Ende Januar 2027 angedacht. Weitere Informationen hierzu sollen zu gegebener Zeit bekanntgegeben werden.





